„Dynamic Pricing“ bei der Urlaubsbuchung – wie es funktioniert und wie wir uns dagegen wehren können…

Dynamic Pricing – die Preisstrategie der Unternehmen

Was ist eine dynamische Preisgestaltung?

Stell dir mal vor du bist in deinem Supermarkt um die Ecke und kaufst die Dinge die du täglich so benötigst. Immer wieder veränderst du deine Vorlieben, schlenderst daher öfters mal die Gänge entlang und suchst zum Beispiel nach einem bestimmten Öl. Letztes und vorletztes Mal bist du bereits vor dem etwas teurerem Kokosöl gestanden und hast dich gefragt, ob dir der Preis von 7,95 € nicht doch zu teuer ist. Du hast das Öl beim letzten Mal bereits in der Hand gehabt und dich geärgert, dass es jetzt sogar schon 8,99 € kostet. Heute hast du dir aber vorgenommen – weil du ein tolles Rezept gefunden hast – es unbedingt mitzunehmen und bist erschrocken, weil der Preis noch einmal angezogen hat. Jetzt, nur nach 2-3 Mal im selben Laden stehend, wunderst du dich, bezahlst aber trotzdem.

Wenn du wissen möchtest was dynamische Preise sind und wie diese funktionieren, dann musst du dich kurz damit beschäftigen. Denn nur wenn du es wirklich verstehst, kannst du dieses System auch austricksen und den billigeren Preis bekommen.

Was in unserem Öl-Beispiel, in einem Laden um die Ecke, zugespitzt beschrieben wurde, ist in der Onlinewelt leidiger Alltag. Egal ob ihr Schuhe, Elektronik oder eben auch einen Flug oder eine Reise sucht, ihr hinterlasst bei dieser Suche immer wieder Spuren im Internet und auf den Seiten, auf denen ihr recherchiert habt.

Wenn man Wissenschaftler, Ökonomen oder Programmierer nach der Bedeutung der „dynamischen Preisgestaltung“ hinterfragt, erhält man Antworten die noch mehr Fragen mit sich bringen. „Marktkräfte“ und die „Verbrauchernachfrage“ sind noch zwei Begriffe die man vielleicht verstehen könnte. Allerdings bedarf es auch gar keinem Studium um den simplen Gedanken zu verstehen, dass die Festlegung des Preises sich immer nach dem Angebot und der Nachfrage richtet. Um es also für Urlauber und Reisende verständlich zu machen, ist es doch für uns alle nachvollziehbar, dass in Spitzenzeiten der Hauptsaison oder an Wochenenden der Preis steigt, weil eben auch die Nachfrage nach Reisen steigt. Allerdings geht die Methode der „dynamischen Preise“ noch viel weiter als wir erwarten würden:

 

Bestimmt wirklich nur Angebot und Nachfrage den Reisepreis? 

Heute sind Preisvergleichsseiten der erste Anlaufpunkt wenn wir uns für einen neuen Urlaubstraum entscheiden. Hier sammeln wir erste Eindrücke und können Preise vergleichen. Ähnlich wie in unserem einleitenden Beispiel, schlendern wir durch die Gänge der Onlinewelt und konkretisieren unsere Suche immer mehr. Währenddessen haben wir kleine Fußabdrücke (sogenannte Cookies) hinterlassen, die es Seitenbetreibern mehr oder weniger ermöglichen Rückschlüsse auf unser Kaufverhalten zu erheben. Ihr stimmt täglich diesen „Cookies“ zu, diesen kleinen Dingern, die netter klingen als das sie tatsächlich sind. Natürlich bieten Cookies auch eine Menge Vorteile: schnellerer Seitenaufbau, eventuell schnellere Registrierungsprozesse. Aber den Preis (und ja das kann man ganz wörtlich nehmen) den wir hier bezahlen ist eine Überwachung unseres Surfverhaltens.

abzocke-im-urlaub-abzocke-bei-der-urlaubs-buchung

Wo ist mein erster Reisepreis hin? 

Eine sehr bekannte Suchmaschine für Privatzimmer stand immer wieder unter Verdacht an der Preisschraube zu drehen. Teurere Zimmer zu verkaufen, ergibt auch eine bessere Umsatzbeteiligung für das Unternehmen. So konnte unter einer Vielzahl an Testversuchen nachgewiesen werden, dass bei identischen Suchanfragen zwar der selbe Preis aber nicht mehr alle Angebote angezeigt wurden. Nehmen wir an ihr bevorzugt ein Zimmer in Barcelona: Bei der ersten Suche gebt ihr eine Preisspanne mit an und vergleicht die Preise und Übernachtungsmöglichkeiten. Und jetzt kommt der Trick: Beim nächsten Besuch wurde eure Preisspanne (also das was ihr bereit seid für ein Zimmer zu zahlen) bereits registriert und ihr erhaltet nur noch Angebot ab diesem Preissegment.

Die meisten Menschen können es durchaus akzeptieren, wenn ein Preis zwei Tage vor Weihnachten steigt. Aber was ist davon zu halten wenn die Preisgestaltung durch unsere tägliche Internetsuche mitbestimmt wird? Um auf unser Öl-Beispiel noch ein letztes Mal zurückzukommen: Hätte ihr ein Problem damit wenn der Marktleiter im Supermarkt mitlaufen würde und alles notiert was ihr euch zumindest angesehen habt? Jemand der direkt zum Öl greift bekommt den besseren Preis als du, weil man dein „Interesse“ am Produkt bereits „erkannt“ hat und dadurch nochmals den Preis anhebt!?

Ist „Dynamic Pricing“ in Reiseangeboten wirklich fair?

Fair oder nicht fair? Tatsache ist, dass zwei Menschen das selbe Produkt oder den gleichen Service bekommen, aber zu unterschiedlichen Preisen. Sehr viele Buchungsseiten wirken allmählich wie ein schlechter Abklatsch von TV-Verkaufsshows:

  • „dieses Hotel wurde heute bereits 4 Mal gebucht“

  • „dieses Angebot sehen sich aktuell noch weitere 14 Personen an“

Diese und weitere aufploppende Fenster mit diesem oder ähnlichem Inhalten, sollen uns unter Druck setzen, jetzt schnell zugreifen bzw. buchen zu müssen. Diese im Internet gängigen Praktiken -allen voran das Ausspähen durch Cookies- ist deshalb problematisch, weil es immer noch verschwindend wenige Menschen wissen oder gar verstehen. Würdest du wirklich direkt buchen, wenn du wüsstest, dass es definitiv nicht besser oder günstiger wird?

Wie wir Buchungen vornehmen – ein konkretes Beispiel: 

Für unsere Freunde ist es immer wieder schwer zu glauben, dass diese „angepassten Preise“ tatsächlich existieren und dies nicht nur ein Internet-Mythos ist.

Das erste Mal als wir ganz konkret auf dieses System aufmerksam wurden, war vor etwa sechs Jahren. Bis zu diesem Zeitpunkt haben wir auch immer jeden Preis als fair betrachtet und haben blauäugig gebucht. Es war damals zu einer Zeit in der wir unbedingt verreisen wollten uns aber nicht allzu viel leisten wollten und konnten. Wir recherchierten Preise und waren flexibel – Hauptsache raus und in die Sonne. Wir suchten zuhause zuerst innerhalb unseres möglichen Reisezeitraums und hatten verschiedene Angebote im Auge. Wenige Tage später wollten wir nun aus unseren zwei verbliebenen Favoriten eines davon fix buchen. Leider wurden uns nun bei beiden Reisezielen unter exakt den selben Bedingungen ein etwa 20 % teurerer Preis angezeigt. Noch am selben Tag unterhielten wir uns am Telefon darüber und ich versuchte auf der Arbeit nochmals die beiden Angebote aufzusuchen, weil ich es selbst nicht glauben konnte. Noch weniger allerdings konnte ich begreifen, dass ich an meinem Geschäftscomputer noch den „alten Preis“ offeriert bekam. Was war passiert?

Wir stimmen zu – die Cookie-Richtlinien im Kleingedruckten

Die kleinen, nervenden Pop-Ups und die damit verbundene Zustimmung zur Verwendung der Cookies – sind wir mal ehrlich – liest doch kein Mensch. Deshalb stimmen wir diesen Cookies doch einfach genervt zu, unabhängig was damit eigentlich passiert und für was diese Dinger überhaupt gut (oder schlecht) sind.

wie-bekomm-man-den-gunstigsten-flugpreis

 

Was können wir tun um wirklich den besten Flugpreis zu erhalten? 

Natürlich ist es nicht zu empfehlen jetzt auf jegliche Recherche zu verzichten und immer direkt zu buchen! Bloß nicht! Aber bevor du wirklich zur eigentlichen Tat, der Buchung, schreitest solltest du folgendes beachten:

  • Lösche vor der Buchung alle Cookies: 

Jeder Browser bietet die Möglichkeit Cookies zu löschen. Aktiviere diese Löschung regelmäßig und definitiv dann wenn du bereit bist Flüge oder generell deine Reise zu buchen!

  • Benutze ein Zweitgerät

Unabhängig von allen Parametern die man bei einer Reise anpassen kann, ist ab und an auch der Preis über ein Zweitgerät (z.B. Handy) günstiger (oder teurer). Das kann technische Gründe haben, die ihr zu eurem Vorteil nutzen könnt.

  • Verwende den Inkognito-Modus

Auch wenn es erstmal albern klingt, aber durch unsere eigenen Erfahrungen konnten wir den Nachweis erbringen: Wer in den Inkognito-Modus seines Browsers wechselt, sieht oft auch andere Preise für seine Reise.

  • Verwende einen anderen Browser

Wer seinen Standard-Browser nutzt der wird bestimmt schon festgestellt haben, dass relevante Werbeeinblendungen (z.B. auf Facebook) oft in der Abhängigkeit stehen, zu dem was du noch vor einigen Tagen gegoogelt hast. Manchmal hilft es auch hier einfach die Cookies zu löschen. Um auf Nummer sicher zu gehen und als eigene Beweisaufnahme, dass das hier alles kein Schwachsinn ist, empfehle ich euch einen weiteren Browser zu installieren, um für Recherche und Buchung je einen extra Browser zu aktivieren.

Egal welchen Tipp ihr annehmt oder nicht, versucht das aus was für euch am Besten funktioniert. Euch sollte es natürlich bewusst sein, dass Preise im Internet immer nur tagesaktuell sind. Dennoch könnt ihr bei eurer nächsten Buchung durch diese Tipps bares Geld sparen. Denn eins ist sicher: Es ist kein Internet-Märchen!

Welche Erfahrungen habt ihr gemacht?

Advertisements

3 Gedanken zu “„Dynamic Pricing“ bei der Urlaubsbuchung – wie es funktioniert und wie wir uns dagegen wehren können…

  1. Iris B. schreibt:

    Ich bin schockiert – und gleichzeitig macht vieles jetzt deutlich mehr Sinn. Das mit den verschiedenen Browsern werde ich auf jeden Fall mal ausprobieren und das mit den Cookies eigentlich auch – ich bin gespannt, was ich da feststellen werde, ob mir das auch so deutlich auffällt 😀 Danke für diesen wirklich sehr hilfreichen Artikel.

    Liebe Grüße, Iris

    Gefällt 1 Person

Wir freuen uns über dein Kommentar!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s