Sind die Wiener einfach unfreundlich?

Wieso der Wiener unfreundlich wirkt, obwohl er es vielleicht gar nicht ist…

„Wien ist immer eine Reise wert“, hatten wir schon oft gehört und wollten unbedingt die Hauptstadt von Österreich endlich mal näher erkunden. Schnell wurde Flug und Hotel gebucht und die Entscheidung stand fest: Eine Woche Wien im November!

Bisher waren unsere Trips in andere Städte und Metropolen mit einer Woche oft zu kurz bemessen. In Wien war das dieses Mal irgendwie anders. Jetzt mit etwas Abstand zur Reise und den gewonnen Eindrücken, weiß ich aber immer noch nicht genau, wieso mir Wien auch in weniger Zeit ausgereicht hätte. An den ganzen Sehenswürdigkeiten kann es definitiv nicht liegen. Denn wer Wien wirklich intensiv kennen lernen will, der muss sich Zeit nehmen. Auf das Wetter konnte ich meinen eher mäßigen Gesamteindruck auch nicht schieben, denn für November war es zwar kalt, aber die Sonne war immer präsent und es regnete nie.

War es der Wiener Schmäh?

Eventuell lag es an einem Umstand den ich selbst erst verinnerlichen musste. Es ist mir vor Ort zwar schon aufgefallen, aber wirklich bewusst wurde es mir erst, als ich es schwarz auf weiß vor mir hatte. Aber fangen wir von vorne an: Der „Wiener Schmäh“, das leicht ironische und trockene Gespräch, ist für einen Touristen erstmal schwer zu durchschauen, mir persönlich liegt diese Art aber sehr. Deswegen hätte ich damit auch keine Probleme haben sollen. Doch wenn der Eindruck entsteht, dass die trockene Umgangsform zu leicht in harsch und unfreundlich überläuft, dann passt das mir gar nicht.

Solltet ihr also direkt aus den USA, bei denen ihr im Restaurant überschwänglich mit „Hey Honey“ willkommen geheißen werdet, eine Reise nach Wien buchen, könnte der Eindruck entstehen, ihr seid auf zwei komplett fremden Planeten gelandet. Mir persönlich liegt das Überschwängliche der Amis genauso wenig wie das (leider) doch sehr robuste Verhalten der Wiener. Müsste ich mir allerdings etwas aussuchen, wäre mir überschäumende Freundlichkeit doch wesentlich lieber.

 

Sind die Wiener einfach unfreundlich?

So war es also – sowohl im berühmten Kaffeehaus, wie auch beim Sushi-Dealer um die Ecke – eher ein Gefühl von Friss oder Stirb als von gastgeberischer Wohlfühlatmosphäre. Das genau DAS mich mehr gestört hatte, als wir die Tage in Wien verbrachten, mussten ausgerechnet die Wiener mir selbst erklären. Denn erst als ich in der U-Bahn-Station nach einer der vielen kostenlosen Zeitungen griff, wurde es mir bewusst, denn dort stand geschrieben:

Wien ist unfreundlichste Stadt – gleich nach Paris.

Der Wiener Grant ist legendär: Eine Umfrage des Netzwerks InterNations mit 13.000 Teilnehmern bestätigt nun: Wien ist gleich nach Paris die unfreundlichste Stadt der Welt. (…)

Quelle: Wien Heute vom 15.11.17

Was ist der Wiener Schmäh oder der Wiener Grant?

Und nun war mir klar: Ich war der Dumme. Denn ich verwechselte den Wiener Schmäh mit dem Wiener Grant. Beides kannte ich zuvor nicht, durfte es aber kennen lernen. Gerade im Dienstleistungsbereich – speziell eben in der Gastronomie ist es uns besonders aufgefallen: Es wird keinem Gast gedient, denn man ist selbstverständlich kein Diener! Nein, der Gast selbst ist der Bittsteller.

Dass das alles gar nicht wirklich unfreundlich ist, aber dennoch durchaus so wirkt, mag alles sein. Es täuschte mich aber auch nicht über die vielen unfassbar schönen Tage in Wien hinweg. Es machte es nicht besser oder schlechter. Aber es stand irgendwie im Raum. Es war merkwürdig und vielleicht müsste man sich daran gewöhnen. Ich tat es nicht, dafür war die Zeit zu knapp.

 

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3 Gedanken zu “Sind die Wiener einfach unfreundlich?

  1. twistheadcats schreibt:

    Ich musste bei diesem Beitrag wirklich schmunzeln😉

    Ich bin selbst Österreicherin und oft in Wien unterwegs und ich muss zugeben, ich kann es auch nicht leiden. Die Mentalität sagt mir einfach nicht zu, daher ist meine Lieblingsstadt in Österreich Graz. Ich würde dir empfehlen das nächste mal dorthin zu reisen und meinem Heimatland dadurch die Chance zu geben wieder etwas gut zu machen 😂
    Dort wimmelt es vor lebensfrohen, freundlichen und bodenständigen Leuten und schöne Sehenswürdigkeiten gibt es dort auch 😉

    Nichts desto trotz habe ich mir vorgenommen einmal ein Wien Wochenende zu verbringen, wo ich versuchen werde die Stadt durch die Augen einer Touristin zu betrachten, vielleicht ändert sich meine Meinung über Wien dann ja noch 😁

    Liebe Grüße, Kay.
    http://www.twistheadcatssite.wordpress.com

    Gefällt 1 Person

  2. Tani schreibt:

    Ist es echt so „krass“? oO
    Wir waren letztes Jahr auch für ein paar Tage in Wien und ich muss zugeben, dass wir da überall so freundlich und willkommen begrüßt und „bedient“ wurden wie (fast) noch nie zuvor…
    Und auch als wir zum Sissi Schloss wollten und kurz vor dem Eingang nicht so wirklich wussten, wo lang und wie ec., kam ein Wiener, der dort nur spazieren ging, direkt auf uns zu und fragte, ob man uns helfen könnte. Anschließend ist er mit uns bis zum Kaffeehaus gelaufen und hat uns noch dies und das erklärt und erzählt. Total lieb! 🙂

    Liebe Grüße,
    Tani

    Gefällt 1 Person

    • www.thebigbone.de schreibt:

      Hey Tani, schöne Erfahrung die du gemacht hast. Natürlich durften wir auch sehr nette, hilfsbereite und freundliche Menschen treffen. In Deutschland werden die Ostfriesen auch oft als mürrisch oder die Schwaben als geizige Sparer bezeichnet. Stimmt natürlich auch beides nicht. Allerdings war für uns sehr witzig, dass eben in einer Zeitung aus Österreich zu lesen, das sie selbst wissen, dass sie ganz gern „rumgrandeln“ 🙂

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