Reiseknigge für Wien

Das erste Mal in Wien – eine Hilfestellung:

Wie bereits im Beitrag „Sind die Wiener einfach unfreundlich?“ habe ich auf gewisse Eigenheiten der Wiener hingewiesen. Mich haben diese Besonderheiten durchaus fasziniert und natürlich auch leicht irritiert. Denn ja, es gibt verschiedene Kulturen und Menschen auf diesem Planeten und dies ist eine Bereicherung. Das ist einer der größten Gründe, wieso wir überhaupt so gerne auf diesem Planten unterwegs sind. Doch dass der Unterschied zweier Länder und Kulturen nach nur wenigen Kilometern so erstaunlich ist, hätte ich nicht vermutet. Daher gibt es jetzt ein kleines und liebgemeintes Reiseknigge für Wien:

Verwechsele nicht den „Wiener Schmäh“ mit dem „Wiener Grant“:

Irgendwo zwischen „Küss die Haaand schöne Frau“ und „Trinkens bittschön die Tassn aus, wir schließen in ner halben Stunden“ liegt die Höflichkeit der Wiener begraben. Oft wird man behandelt, als ob man generell zu doof ist zu verstehen oder es wird einschlägiges Wissen sogar vorausgesetzt: „Möchtens die Karten oder essens wie immer?“ Mehr dazu gibt es aber HIER nachzulesen.

Verstehe die Kaffeehauskultur:

Das Kaffeehaus in Wien ist oft – vor allem direkt in der Innenstadt – touristisch angehaucht und auch Wartezeiten müssen mit eingeplant werden. Einen Kaffee gibt es hier nicht. Hier gibt es einen „Verlängerten“ oder eine „Melange“. Wer einen Kaffee bestellt wird blöde angeschaut und direkt als unwissender Tourist abgestempelt. Auch die Sahne heißt hier nicht Sahne, sondern „Schlagobers“. Warum der in Kärnten geborene Sänger Udo Jürgens trotzdem „Aber bitte mit Sahne“ gesungen hat, ist mir ein Rätsel. Wahrscheinlich wäre „Aber bitte mit Schlagobers“ nie zu einem Hit geworden.
Die Kultur des Kaffeehauses ist eine sehr schöne Eigenart, die mir sehr entgegenkommt. Oft dient so ein Kaffeehaus den Städtern als verlängerter Arm des eigenen Wohnzimmers. Hier werden Bewerbungsgespräche abgehalten, wie auch die Scheidungspapiere mit den Anwälten begutachtet. Hier trifft sich Jung und Alt.
Ein wirklich typisches Kaffeehaus lässt sich schnell finden und die Kuchen sind meistens lecker. Der fade Beigeschmack ist leider (wieder mal) der Kellner der Herr Ober!, der sich irgendwie fast schon belästigt fühlt, wenn man eine Bestellung aufgeben möchte. Aber genau diese Art der Grimmigkeit macht den Charme komplett und keiner sollte dies als persönliche Beleidigung auffassen.

Smalltalk und mieser HumoR, richtig verstehen mit dem Reiseknigge für Wien:

Ein Österreicher ist eigentlich nicht auf Small Talk aus. Wieso auch? Kassiervorgänge, Beratungsgespräche und die Bedienung im Restaurant beschränken sich auf das Wesentliche. Stellenweise fehlt schon „Hallo, Bitte, Danke oder Tschüss (Baba)“. Solltest du also wirklich Kontakt zu einem Österreicher aufnehmen wollen, sind gewisse Gesprächsthemen tabu: Ein Österreicher ist kein „Ösi“ und der Zweite Weltkrieg ist nun auch kein eisbrechender Gesprächsstoff. Witze über Hitler und das dieser eigentlich Österreicher war, helfen dir selbstredend natürlich auch nicht weiter.

Mach nicht einen auf Österreicher:

Haltet euch bei unserem kleinem Reiseknigge für Wien unbedingt auch an folgendes:

Ja es ist verführerisch den österreichischen Dialekt nachzuäffen! Trotzdem: Lass es! Der Österreicher versucht ja auch nicht unseren bayrischen, hessischen oder schwäbischen Dialekt nachzumachen. Was gut ankommt sind einige Vokabeln zu beherrschen: die Portion Sahne als „Schlagobers“ zu bestellen oder das Brötchen als „Semmel“ zu bezeichnen. Das reicht auch. Im Supermarkt wirst du noch ein „Sackerl“ anstatt einer Tüte aufgeschwätzt bekommen, aber auch das sollte dich nicht weiter irritieren.

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