Bali, Traum oder Albtraum?

Bali, Traum oder Albtraum? Unsere Bali ErfahrungEN:

Frisch sind wir aus Bali zurück. Da sind die Eindrücke noch klar in der Matschbirne verankert und sollten schleunigst zu Papier gebracht werden. Oder eben hier online in unseren Blog verfrachtet werden. Unsere Bali Erfahrungen sind auf jeden Fall interessant genug um diese niederzuschreiben.

Aber Bali? Ja, wie war das noch gleich. Was hat mich beeindruckt? Was wäre es wert euch zu erzählen? Irgendwie gibt es da eine ganze Menge zu erzählen. Schönes und weniger Schönes.
Vielleicht bin ich auch selbst schuld… Ich hatte – wie bestimmt viele von euch auch – gewisse Vorstellungen von Bali. Traumstrände, Palmen, chillige Locations, coole Leute. Das gibt es auch, aber man muss es schon sehr genau suchen. Wer zuerst in Bali landet, wird (bevor er oder sie besser gen Norden fährt) irgendwo zwischen Kuta und Seminyak die ersten Tage verbringen. So hatten wir es zumindest getan. Und ja, wir hatten uns informiert, das genau diese Ecken von Bali sehr touristisch sind. Und ja, es ist sehr touristisch, laut und dreckig…

Touristen am Tanah Lot Tempel Bali

 

Bali, die Insel des Massentourismus? 

Grüne Reisfelder wollte ich sehen und die weiten Landschaften die man mir auf den Instagramfotos der Influencer und Reisegurus versprochen hatte. Ich wollte im Wasser Surfer sehen und die untergehende Sonne. Was ich aber zuerst im Wasser sah war Müll.
Bali hat Vieles zu bieten: Reisfelder, Vulkane, Dschungel und einsame Strände. Doch das Paradies ist ganz schön angekratzt und die Schattenseiten verdunkeln die Postkartenidylle ganz gewaltig.
Das Licht am Jimbaran-Beach hat auch Licht auf ganz Bali geworfen. Hier war es sauber. So könnte man es sich vorstellen und definitiv auch längere Zeit aushalten. Ein schöner Strand. Doch dann gibt es da noch Kuta und dessen hektische Atmosphäre oder Seminyaks verdreckter Strand. Was ist damit? Soll ich das einfach ausblenden und euch davon nicht erzählen? Ich konnte es im Urlaub nicht ausblenden und werde es daher jetzt auch nicht tun. Leider muss ich euch  vom Verkehr berichten, der eine 15 Kilometer-Fahrt zu einer 2 1/2 stündigen Odyssee heranwachsen ließ. Oder von der miesen Infrastruktur, von der Luftverschmutzung und den ganzen Baustellen. Ich würde euch gerne den Duft von Plastik in die Nase schreiben, der dort einfach jeden Tag verbrannt wird. Ekelhaft und traurig.

Müllprobleme auf Bali sind Müllprobleme für Indonesien!

Wer von Müllproblemen auf den Gili-Inseln oder eben von Bali spricht, der sollte doch gleich die große Kelle nehmen und sagen: Das Müllproblem ist ein Problem der indonesischen Regierung! Ohne den Zeigefinger zu erheben oder die „Schuld“ einem ganzen Land zuzuschreiben, sollte aber jeder Reisende sich im klaren darüber sein, was sein Anteil an der ganzen Geschichte ist. Als Bali vor 30-40 Jahren noch zunehmend unerschlossen war, konnten sich die Balinesen sehr gut mit ihrer Umwelt arrangieren. Erst der Tourismus  ließ eine grausige Spirale entstehen. Der Balinese lebt entweder von der Landwirtschaft oder eben vom Tourismus. Etwas anderes gibt es nicht. Die schnelle Mark Rupiahs werden durch die Touristen verdient. Diese bringen zwar Geld ins Land aber auch jede Menge Müll. So viel Müll das es nicht mehr zu bezwingen ist. Doch was hat sich verändert? Früher wurde etwas in Bananenblätter gewickelt, heute in Plastik. Früher wurde das Wasser der Kokosnuss getrunken und heute die Coca Cola (übrigens auch wieder nur in Plastik). Zu einfach? Nein, genau so war es.

 

Bali entwickelt sich zu schnell…

Bali entwickelt sich zu schnell. Und dann auch noch in die falsche Richtung. Nachhaltigkeit wird zwar in Ubud und dort nur in einigen kleinen, verträumten Läden bereits gelebt, der normale Balinese kann darüber aber nur müde lächeln. Seine Lebenswirklichkeit ist eben diese, dass man JETZT mit den Touristen Geld verdienen kann. Und sie vertrauen blind und oft auch blöd auf eine Regierung in Jakarta die zu einer der korruptesten der Welt gehört. Wer Geld bringt, egal ob Investoren oder Lobbyisten oder eben der Tourist, das ist der wahre Freund. Ohne das groß hinterfragt wird, wird investiert und aufgebaut. Es geht nur darum, JETZT so schnell wie möglich Geld zu machen. Das spürt man an jeder Ecke. Leider.

Und jeder möchte ein Stück vom Kuchen abhaben…

Das man mit dem Tourismus gutes Geld verdienen kann ist den Balinesen klar. So sieht man auch speziell in Kuta, Seminyak und um den Flughafenbereich herum eine unfassbare Dichte an Geschäften, die so keiner braucht. Die Konkurrenz ist erdrückend. Die Tourenanbieter, Surfschulen, Nippes-Verkäufer und Restaurants wechseln sich in genau dieser Reihenfolge kilometerweit ab. Und irgendwie denkt man, hier war man doch schon mal…

Vor den Restaurants stehen mehr Angestellte als es drinnen Gäste gibt. Sie versuchen dich anzuwerben, anzulächeln und fast schon ein bisschen zu überreden. Sie fuchteln mit ihren Menükarten wild umher, manchmal einladend, oft aber verzweifelt. Gerade für den jungen Balinesen scheint der Tourismus der heilige Gral zu sein. Endlich weg von den Reisfeldern, weg aus der Landwirtschaft und hinein in die Restaurants und Hotels. Doch die Lebenswirklichkeit sieht natürlich nicht so aus wie man es sich erträumt. Und genau hier schließt sich für mich der Kreis: Denn auch wir hatten gewisse Vorstellungen und wurden knallhart ausgenüchtert. So hat allmählich keiner mehr etwas davon, weder der Tourist der statt Strand eine Müllhalde bekommt, noch die neue Generation der Balinesen, die sich vom Tourismus so viel erhoffen aber nichts reißen können, weil der Druck der Konkurrenz bereits zu stark ist.
Und natürlich gibt es viele wichtige Initiativen die sich für ein grünes Bali einsetzen. Und ja klar sind mir in Ubud die ganzen „Healtylifestyle-Cafes“, „Smoothie-Relax-Bars“ und „Achtsamkeitsyogastudios“ aufgefallen. Doch diese sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Teilweise kam ich mir sogar etwas veräppelt vor. Denn – wer auch immer nach Ubud geht und sich einen Yogakurs gönnen möchte – der Heimweg durch die Menschenmassen und der dichte Verkehr, würde mich bereits wieder so sehr stressen, dass sich die Stunde Yoga nicht gelohnt hätte. Es wirkte teilweise eher wie eine Kulisse.

Bali – wo viel Licht ist, da ist auch Schatten…

Bali ist vielseitig und das im Guten wie im Schlechten. Es gibt definitiv viel Sehenswertes und auch Schönes auf Bali zu entdecken. Aber wo viel Licht ist, da ist auch viel Schatten. In Bali liegen Luxushotels direkt neben elend zusammengezimmerten Holzhütten, in denen ganze Generationen zusammengepfercht leben müssen. Man findet Affenwälder in Ubud und affige Souvenirs am Flughafen von Denpasar. Es gibt jede Menge Klischees und kaum Versuche sich über diese hinwegzusetzen. Bali ist nur ein kleiner Mikrokosmos doch widerspiegelt auch unsere ganze Welt…

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