Es gibt Städte, die eigentlich mehr Aufmerksamkeit verdienen, aber nicht so gehypt sind wie viele andere. Augsburg ist so eine Stadt. Die große Hauptstadt München liegt einfach zu nah, da kann die drittgrößte Stadt Bayerns vermeintlich nicht mithalten. Augsburg ist aber nicht so hektisch und hat wunderschöne, aber doch überschaubare Sehenswürdigkeiten. Alles fühlt sich echter und authentischer an, und genau deshalb hat uns Augsburg außerordentlich gut gefallen.
Hier hat sich über 2.000 Jahre Geschichte in den Gassen, Kanälen und Fassaden festgesetzt, ohne dabei museal oder verstaubt zu wirken. Augsburg lebt, es plätschert (buchstäblich, dank hunderter Kanäle), es duftet nach frisch gebackenem Zwetschgendatschi und es klimpert leise mit den Fäden der berühmtesten Marionetten Deutschlands.
Augsburg ist die drittgrößte Stadt Bayerns und eine der ältesten Städte im deutschsprachigen Raum. Sie sitzt zwischen München und dem Bodensee ein wenig im touristischen Schatten. Zu Unrecht, wie wir finden! In diesem Guide nehmen wir dich mit zu unseren Lieblingsorten in der Fuggerstadt: durch prunkvolle Säle und stille Klosterhöfe, durch das UNESCO-Welterbe der Wasserwirtschaft, durch schattige Biergärten und Gassen, in denen Reformationsgeschichte, Familienunternehmen und Streetfood-Kultur ganz selbstverständlich zusammenkommen. Wir zeigen dir, welche Sehenswürdigkeiten du unbedingt besuchen musst, wo du gut essen und schlafen kannst und stellen dir einen fertig durchgetakteten Stadtspaziergang vor, mit dem du in einem Tag wirklich das meiste aus Augsburg herausholst. Alles, was du brauchst, ist etwas Zeit und bequeme Schuhe.
Warum Augsburg ein Städtetrip wert ist
Augsburg wurde im Jahr 15 v. Chr. von den Römern als „Augusta Vindelicum” gegründet und nach Kaiser Augustus benannt. Damit zählt die Stadt zu den ältesten Deutschlands. Der eigentliche Ruhm der Stadt entstand jedoch erst rund 1.500 Jahre später, als die Handelsfamilien Fugger und Welser Augsburg zu einem der wichtigsten Finanzzentren Europas machten. Jakob Fugger „der Reiche” finanzierte Kaiser und Päpste, prägte den Ablasshandel mit und besaß der Überlieferung nach einen so großen Anteil am damaligen europäischen Wirtschaftsvolumen, dass sein Vermögen bis heute als eines der größten der Menschheitsgeschichte gilt. Diese Blütezeit bescherte der Stadt eine Dichte an Renaissance- und Barockarchitektur, wie sie selten zu finden ist.
Seit 2019 trägt die Stadt den Titel „UNESCO-Welterbe” für ihr historisches Wassersystem. Es ist ein einzigartiges Ensemble aus Kanälen, Wassertürmen, Brunnen und Kraftwerken, das zum Teil über 1.000 Jahre alt ist und noch heute funktioniert. Und dann wäre da noch die Augsburger Puppenkiste, die Generationen von Kindern (und Erwachsenen) vor dem Fernseher großgezogen hat. Kurzum: In Augsburg vereinen sich Römergeschichte, Renaissance-Pracht, Reformationsgeschichte, Ingenieurskunst und Popkultur auf einer Fläche, die sich bequem zu Fuß erkunden lässt. Genau das macht die Stadt zu einem der am meisten unterschätzten Reiseziele für einen Kurztrip in Süddeutschland.
Die schönsten Sehenswürdigkeiten in Augsburg im Detail:
Das Schöne an Augsburg ist, dass es eine Handvoll wirklich sehenswerter Orte gibt, die man unbedingt besuchen sollte, die Stadt aber gleichzeitig nicht zu groß ist. So bleibt immer genug Zeit zum Schlendern, um in einem Café zu verweilen oder einfach den Tag zu genießen. Man kann Augsburg im Schnelldurchlauf an einem Wochenende erkunden und hat dabei schon einiges gesehen. Wer länger bleibt, kann mehr entdecken oder sich für die Sehenswürdigkeiten auch die gebührende Zeit lassen, Veranstaltungen besuchen oder ins Museum gehen.
Tausend Jahre Glasmalerei am Dom Mariä Heimsuchung
Wir starten bewusst am Hohen Dom Mariä Heimsuchung, dem ersten Anlaufpunkt für die meisten Augsburg-Besucher. Seine Wurzeln reichen bis ins 8. Jahrhundert zurück. Der Kern des heutigen Baus entstand nach dem Einsturz der Vorgängerkirche ab dem Jahr 995.
Was den Dom für uns zu einem der spannendsten Sakralbauten Deutschlands macht, sind die fünf romanischen Prophetenfenster im südlichen Mittelschiff. Sie zeigen Jona, Daniel, Hosea, David und Mose. Laut Kunsthistorikern sind sie die ältesten erhaltenen figürlichen Glasmalereien der Welt an ihrem ursprünglichen Standort. Ebenfalls sehenswert ist die romanische Bronzetür mit 35 Reliefs aus dem Alten Testament. Das Original befindet sich heute im benachbarten Diözesanmuseum St. Afra, am Dom selbst hängt seit 2001 ein modernes Bronzeportal.
Unser Tipp: Der Eintritt in den Dom ist kostenlos und ein kurzer Besuch lässt sich hervorragend mit einem Spaziergang durch den angrenzenden Domgarten verbinden. Wer es ruhig mag, sollte früh am Morgen kommen, bevor die ersten Reisegruppen eintreffen.
Das Schaezlerpalais, ein Prachtbau aus der Epoche des Rokoko.
Wer sich für Kunst und Architektur interessiert, kommt am Schaezlerpalais nicht vorbei. Der Augsburger Bankier Benedikt Adam Liebert ließ es zwischen 1765 und 1770 nach Plänen des Münchner Hofbaumeisters Carl Albert von Lespilliez errichten und schuf damit das wohl prächtigste Bürgerpalais des 18. Jahrhunderts in Süddeutschland. Das absolute Herzstück ist der Rokoko–Festsaal. Sein Deckenfresko schuf der italienische Wandermaler Gregorio Guglielmi in den Jahren 1766/67, kurz nachdem er für Kaiserin Maria Theresia in Schönbrunn gearbeitet hatte. Die zarten Stuckarbeiten der Brüder Feichtmayr sind bis heute zu rund 90 Prozent im Originalzustand erhalten. Dadurch zählt der Saal zu den authentischsten Rokoko-Räumen Deutschlands.
Eine Anekdote, die wir besonders mögen, ist die folgende: Im April 1770 machte die österreichische Erzherzogin Maria Antonia auf ihrem Weg zur Hochzeit mit dem französischen Dauphin, also der späteren Marie Antoinette, Station in Augsburg. Sie wurde in genau diesem Saal festlich empfangen. Man kann sich gut vorstellen, wie die junge Erzherzogin unter dem gerade fertiggestellten Deckenfresko tanzte, ohne zu ahnen, welches Schicksal ihr in Frankreich noch bevorstand. Heute beherbergt das Palais im ersten Obergeschoss die Deutsche Barockgalerie mit rund 100 Meisterwerken. Der Rokokogarten im Innenhof ist hingegen für alle Besucher kostenlos zugänglich auch für alle, die gar nicht ins Museum wollen. Perfekt auch für eine Pause mit dem Hund!
Das Rathaus, der Goldene Saal und der Perlachturm bilden das Herz der Reichsstadt
Kaum eine Ecke Augsburgs ist so fotogen wie der Rathausplatz mit dem Renaissance-Rathaus und dem direkt daneben stehenden Perlachturm, der mit seiner Fassade und den Ziergiebeln ein echter Hingucker ist. Das zwischen 1615 und 1620 von dem Augsburger Stadtbaumeister Elias Holl errichtete Rathaus gilt bis heute als einer der bedeutendsten Profanbauten der Renaissance nördlich der Alpen. Im dritten Stock verbirgt sich der berühmte Goldene Saal, eine gut 550 Quadratmeter große Prunkhalle mit einer 14 Meter hohen, vollständig mit Blattgold verzierten Kassettendecke. Was viele nicht wissen: Der Saal, den man heute bewundert, ist eine aufwendige Rekonstruktion. Im Februar 1944 brannte das Rathaus bei einem Luftangriff bis auf die Grundmauern nieder. Dabei stürzte die vergoldete Holzdecke ein und verbrannte
Erst zur 2.000-Jahr-Feier der Stadt im Jahr 1985 erstrahlte der Saal wieder in altem Glanz
Direkt daneben ragt der Perlachturm empor, den Elias Holl im Zuge der Bauarbeiten am Rathaus auf seine heutige Höhe von 70,4 Metern brachte. Wer die vielen Stufen bis nach oben erklimmt, wird mit einem Panoramablick über die Dächer der Altstadt belohnt. Bei besonders klarer Sicht lassen sich sogar die Alpen erahnen. Als kleines i-Tüpfelchen: Eine gelbe Flagge am Turm signalisiert traditionell freie Sicht auf die Berge.
Unser Tipp: Der Eintritt zum Goldenen Saal ist mit nur wenigen Euro sehr günstig und zählt damit zu den günstigsten Prunkerlebnissen Bayerns. Kombiniere den Besuch mit der Turmbesteigung des Perlachturms, dann hast du beide Perspektiven auf die Stadt abgedeckt.
Die Maximilianstraße besticht durch ihren Prachtbrunnen, die Fuggerhäuser und ihre lange Geschichte.
Vom Rathausplatz aus führt die knapp 500 Meter lange Maximilianstraße schnurgerade nach Süden bis zur Basilika St. Ulrich und Afra. Sie zählt zu den prächtigsten Einkaufs- und Flaniermeilen Süddeutschlands. Ihr nördlicher Abschnitt folgt exakt dem Verlauf der antiken Via Claudia Augusta, jener römischen Handelsstraße, die einst Italien mit der Provinz Rätien verband. Auf ihrem Weg passiert die Maximilianstraße gleich drei der insgesamt sechs Prachtbrunnen Augsburgs: den Augustus-, den Merkur- und den Herkulesbrunnen. Sie alle wurden zwischen 1589 und 1602 im manieristischen Stil geschaffen und sind heute – wie sollte es anders sein – ebenfalls Teil des UNESCO-Welterbes.
Ein Stück weiter stehen die Fuggerhäuser, die Jakob Fugger „der Reiche” zwischen 1512 und 1515 nach eigenen Skizzen, die er von seinen Reisen durch Italien mitgebracht hatte, errichten ließ. Damit gelten sie als das erste Gebäude im Stil der italienischen Renaissance nördlich der Alpen. In diesen Mauern fanden bedeutende Ereignisse der Weltgeschichte statt: 1518 wurde Martin Luther hier von Kardinal Cajetan zu seinen reformatorischen Thesen verhört, später residierte Kaiser Karl V. wochenlang in den Kaiserappartements und 1777 gab Wolfgang Amadeus Mozart ein Konzert in den Räumen. Wenn du durch die vier Innenhöfe schlenderst, insbesondere durch den romantischen Damenhof, kannst du ein wenig von dem italienischen Flair spüren, das sich Jakob Fugger damals nach Augsburg holen wollte.
Die Fuggerei ist die älteste Sozialsiedlung der Welt
Nur wenige Gehminuten von der Augsburger Innenstadt entfernt liegt einer unserer absoluten Lieblingsorte: die Fuggerei. Jakob Fugger stiftete diese Siedlung für bedürftige, ehrbare Augsburger Bürger am 23. August 1521 – und sie ist bis heute die älteste noch bewohnte Sozialsiedlung der Welt. Das Prinzip hat sich seit fünf Jahrhunderten kaum verändert. In den 67 gelb getünchten Häusern mit ihren 140 kleinen Wohnungen zahlen die rund 150 Bewohnerinnen und Bewohner eine Jahreskaltmiete von 88 Cent, also exakt der Gegenwert eines rheinischen Guldens aus dem Jahr 1521. Im Gegenzug verpflichten sie sich, täglich drei Gebete für den Stifter und seine Familie zu sprechen. Wer durch die schmalen, efeuberankten Gassen schlendert, findet in der Mittleren Gasse eine originalgetreu eingerichtete Schauwohnung sowie eine kleine aber feine Ausstellung im ehemaligen Weltkriegsbunker. Diese erinnert an die Zerstörung und den gemeinschaftlichen Wiederaufbau der Siedlung nach 1944.
Wie finanziert sich die Fuggerei in Augsburg überhaupt?
Vielleicht stellst du dir dieselbe Frage wie wir. Wie finanziert sich die Fuggerei in Augsburg in der heutigen Zeit? Dazu müssen wir etwas tiefer einsteigen, aber es lohnt sich.
Seit ihrer Gründung durch Jakob Fugger im Jahr 1521 hat sich die Fuggerei in Augsburg ihre Unabhängigkeit bewahrt. Bemerkenswert ist, dass die Fuggerei bis heute ohne staatliche Zuschüsse oder Steuermittel auskommt. Ihre Finanzierung erfolgt ausschließlich über das Vermögen und die Erträge der Fuggerschen Stiftungen.
Finanzierung der Fuggerei
Rund 3.000 Hektar nachhaltig bewirtschafteter Wald bilden seit Jahrhunderten die verlässlichste Einnahmequelle.
Rund 200.000 Besucher jährlich tragen mit ihren Eintrittsgeldern zum laufenden Erhalt und Sanierungen bei.
Erträge aus gewerblichen und privaten Immobilienanlagen der Fuggerschen Stiftungen außerhalb der Fuggerei.
Unabhängigkeit & Miete
Die Fuggerei arbeitet komplett ohne staatliche Zuschüsse. Die berühmte Miete von 0,88 € ist rein symbolisch und deckt keine Betriebskosten.
Unser Tipp: Plane für die Fuggerei mindestens eine bis zwei Stunden ein, wenn du auch die Schauwohnung und den Bunker besichtigen möchtest. Am eindrucksvollsten ist die Siedlung übrigens in den Abendstunden, wenn die Tore noch geöffnet sind, die meisten Tagesausflügler aber bereits wieder verschwunden sind.
Die Doppelkirche des Friedens: St. Ulrich und Afra
Am südlichen Ende der Maximilianstraße erhebt sich die Basilika St. Ulrich und Afra, deren 93 Meter hoher Zwiebelturm weithin sichtbar ist. Sie ist seit 1594 eines der Wahrzeichen der Stadt. Die heutige spätgotische Basilika steht an einer Stelle, die seit der Spätantike als Grabstätte der heiligen Afra verehrt wird. Seit 1012 wurde der Ort von Benediktinermönchen betreut. Seit 1937 trägt die Kirche den Titel einer Päpstlichen Basilika.
Besonders bewegend finden wir einen architektonischen Umstand, den viele Besucher gar nicht bewusst wahrnehmen. Direkt an die katholische Basilika angebaut steht die evangelische St.-Ulrichs-Kirche, eine der beiden sogenannten Doppelkirchen Augsburgs. Dieses bauliche Nebeneinander zweier Konfessionen ist ein stilles, aber kraftvolles Denkmal für das, was Augsburg als „Friedensstadt” ausmacht: 1555 wurde hier der Augsburger Religionsfrieden geschlossen, und bis heute erinnert die Stadt jedes Jahr am 8. August mit dem Hohen Friedensfest an das friedliche Miteinander der Konfessionen.
Rotes Tor und das älteste funktionierende Wasserwerk Europas
Weiter südlich, dort, wo die Stadtmauer Augsburgs einst endete, befindet sich das Rote Tor. Es ist benannt nach seiner charakteristischen roten Farbgebung. Es wurde erstmals im Jahr 1223 urkundlich erwähnt und diente über Jahrhunderte hinweg als südlicher Haupteingang der Stadt. Stadtbaumeister Elias Holl gestaltete das Tor und die Bastion im Jahr 1604 um. Bis heute sind sie erhalten geblieben, obwohl große Teile der übrigen Stadtmauer im 19. Jahrhundert abgerissen wurden.
Direkt daneben verbirgt sich eine technikgeschichtliche Sensation, an der die meisten Besucher achtlos vorbeilaufen: das Wasserwerk am Roten Tor. Der zwischen 1412 und 1416 erbaute Große Wasserturm gilt als der älteste erhaltene Wasserturm Deutschlands. Bis 1879 versorgte er die Stadt zuverlässig mit Trinkwasser.
Heute nutzt die Stadt den ehemaligen Wallgraben vor dem Tor als Freilichtbühne mit über 2.000 Sitzplätzen. Von Mitte Juni bis Ende Juli finden vor der wirklich hübschen Kulisse aus Turm, Wallanlagen und dem historischen Heilig-Geist-Spital Opern-, Theater- und Musical-Aufführungen statt.
Das Lechviertel und Augsburgs UNESCO-Wasser-Welterbe
Wenn wir Freunden erklären, warum Augsburg unserer Meinung nach unterschätzt wird, kommen wir immer wieder auf das Lechviertel zu sprechen. Das ehemalige Gerber-, Färber- und Weberviertel wird von unzähligen kleinen Kanälen durchzogen, über die winzige Steinbrücken führen. Dieses Viertel ist daher unser absoluter Lieblingsort in Augsburg und sollte auch von dir unbedingt besucht werden!
Tatsächlich hat Augsburg mit über 530 Brücken sogar mehr Übergänge als Venedig. Diese sind zwar oft viel weniger spektakulär, aber das Flanieren am Wasser ist trotzdem auch in Augsburg wunderschön.
Seit Juli 2019 zählt das gesamte historische Wassermanagement-System der Stadt übrigens zum UNESCO-Weltkulturerbe. Es umfasst 22 einzelne Objekte, darunter sieben historische Wassertürme, 40 Wasserkraftanlagen und 29 Lechkanäle mit einer Gesamtlänge von über 70 Kilometern. Bereits im Mittelalter leiteten die Augsburger Bürger Wasser aus Lech und Wertach gezielt durch die Stadt und trennten strikt zwischen Trink- und Brauchwasser. Dieses für die damalige Zeit bemerkenswert moderne Hygienekonzept verhalf der Stadt zu Wohlstand.
Ein Detail, das uns besonders fasziniert, ist: Am Rande der Altstadt befindet sich der sogenannte Eiskanal, eine künstliche Wildwasserstrecke, die für die Kanu-Wettbewerbe der Olympischen Sommerspiele 1972 in München angelegt wurde. Bis heute trainieren dort Kanuten. Dieses Stück Sportgeschichte wird von den meisten Touristen übersehen. Wenn du also etwas mehr Zeit für Augsburg eingeplant hast, ist der Eiskanal ebenfalls einen Besuch wert.
Die Augsburger Puppenkiste
Kaum zwei Worte lösen bei in Deutschland aufgewachsenen Menschen so viel Nostalgie aus wie die „Augsburger Puppenkiste”. Und auch für uns war ein Besuch obligatorisch.
Das Marionettentheater wurde von Walter und Rose Oehmichen gegründet. Die Idee dazu entstand während des Zweiten Weltkriegs, als Walter Oehmichen als Soldat in der Nähe von Calais in Frankreich stationiert war und dort ein kleines Puppentheater entdeckte. Zurück in Augsburg baute die Familie ihren ersten „Puppenschrein”, der jedoch in der Bombennacht vom 25. auf den 26. Februar 1944 zerstört wurde. Genau vier Jahre später, am 26. Februar 1948, eröffneten Walter und Rose Oehmichen die Augsburger Puppenkiste im historischen Heilig–Geist–Spital mit dem Stück „Der gestiefelte Kater” – ein Neuanfang mitten in der Nachkriegsnot.
Ab 1953 brachte das Fernsehen die Puppenkiste mit Klassikern wie „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer” oder „Urmel aus dem Eis” bundesweit in die Wohnzimmer und machte sie deutschlandweit bekannt. Der endgültige Durchbruch war geschafft.
Wenn du also auch Lust hast, die Augsburger Puppenkiste zu besuchen, hast du selbstverständlich die Möglichkeit, eine der Vorstellungen zu besuchen. Die klassischen Kinderstücke sind etwas für die ganze Familie: Die Kinder staunen, während die Eltern in Nostalgie schwelgen. Selbst die Klassiker werden heute modern interpretiert, was uns sehr gut gefällt.
Keine Kinder dabei? Das ist keine Ausrede! Ein Blick ins Abendprogramm lohnt sich, denn die Puppenkiste gibt es auch für Erwachsene. Das politisch-satirische Programm hat Kultstatus, der sogar über die Grenzen Augsburgs hinausreicht.
Du hast keine Zeit für eine Vorstellung? Das ist nicht schlimm. Du kannst auch das kleine, aber feine Museum „Die Kiste” über den Theaterräumen besuchen und den originalen Marionetten von Angesicht zu Angesicht gegenübertreten. Natürlich gibt es im Museum nicht nur Marionetten zu sehen. Du erfährst auch mehr über die Geschichte der Augsburger Puppenkiste.
Erwarte keinen riesigen Rundgang, du bist in gut einer Stunde durch. Aber es lohnt sich absolut!
Der Botanische Garten in Augsburg unser kleiner Geheimtipp:
Wenn du etwas Abstand von der Stadt brauchst, ist der Botanische Garten in Augsburg genau das Richtige. Uns hat der Garten außerordentlich gut gefallen. Hätten wir gewusst, dass er so groß und schön ist, hätten wir definitiv mehr Zeit eingeplant.
Im großen Außenbereich kannst du viele verschiedene Pflanzen entdecken, die sehr ansprechend präsentiert werden. Neben einem Ententeich, verschiedenen Schaugärten und einem großen Gewächshaus mit tropischen Pflanzen ist das absolute Highlight der japanische Garten. Durch diesen wunderschön angelegten Teil des Botanischen Gartens fließt ein künstlicher Fluss über mehrere kleine Wasserfälle und Kaskaden hinunter.
Unbedingt anschauen, aber nicht weitersagen, damit er ein kleiner Geheimtipp bleibt!
Die Höhepunkte unserer Stadttour durch Augsburg an nur einem Tag:
Wir empfehlen dir, mehr als einen Tag in Augsburg zu verbringen. Theoretisch kannst du gut ein ganzes verlängertes Wochenende hier verbringen oder sogar eine Woche Urlaub machen und es langsam angehen lassen.
Wenn du aber nur einen Tag Zeit hast, haben wir dir hier die Highlights in einem Stadtrundgang zusammengefasst.
Die Altstadt von Augsburg ist erfreulich kompakt, sodass sich fast alle wichtigen Sehenswürdigkeiten bequem zu Fuß erreichen lassen. Noch schneller und bequemer bist du natürlich mit Bus und Straßenbahn unterwegs. Wir haben diese Route so zusammengestellt, dass du an einem Tag das meiste siehst, ohne von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit hetzen zu müssen. Rechne insgesamt mit rund acht Stunden inklusive Pausen. Wenn du es entspannter magst, kannst du die letzten zwei bis drei Stationen für einen zweiten Tag übrig lassen.
Ein Tag zu Fuß durch Augsburg
Vom Dom bis zur Puppenkiste – so siehst du an einem Tag wirklich das meiste von der Fuggerstadt.
Schematischer Routenverlauf · tippe eine Station an
Dom Mariä Heimsuchung
Start am nördlichen Rand der Altstadt. Zu dieser Uhrzeit ist es hier noch ruhig, und das Morgenlicht fällt schön durch die romanischen Prophetenfenster.
Rathausplatz: Goldener Saal & Perlachturm
Fünf Gehminuten weiter erreichst du das Herz der Reichsstadt. Wirf einen Blick in den vergoldeten Prunksaal und steig anschließend die Stufen des Perlachturms hinauf.
Bummel durch die Maximilianstraße
Schlendere an Augustus-, Merkur- und Herkulesbrunnen sowie den Fuggerhäusern vorbei nach Süden – guter Moment für den ersten Kaffee des Tages.
Schaezlerpalais
Wirf einen Blick in den Rokoko-Festsaal, in dem einst Marie-Antoinette empfangen wurde, und schlendere kostenlos durch den Rokokogarten im Innenhof.
St. Ulrich und Afra
Am südlichen Ende der Maximilianstraße erreichst du die markante Doppelkirche mit ihrem 93 Meter hohen Zwiebelturm – katholische Basilika und evangelische Kirche Wand an Wand.
Mittagspause im Biergarten
Perfekter Zeitpunkt für eine deftige Stärkung. Der Biergarten Drei Königinnen liegt nur wenige Minuten entfernt in der Jakobervorstadt und passt genau in die Route.
Rotes Tor & ältestes Wasserwerk Europas
Von der Jakobervorstadt aus spazierst du weiter zum Roten Tor und wirfst einen Blick auf den historischen Wasserturm von 1416 sowie die Kulisse der Freilichtbühne.
Das Lechviertel entdecken
Tauche ein in Augsburgs "Klein-Venedig": Folge dem Wasser, überquere ein paar der über 530 kleinen Brücken der Stadt und lass dir Zeit für Fotos.
Die Fuggerei
Besuche die Schauwohnung und den Bunker, und lass die einzigartige Atmosphäre der ältesten Sozialsiedlung der Welt auf dich wirken – Jahresmiete: 88 Cent, seit 1521.
Augsburger Puppenkiste
Zum Abschluss darf ein Besuch bei den Marionetten nicht fehlen. Wirf vorab einen Blick auf den Spielplan – ein Theaterbesuch rundet den Tag wunderbar ab.
Ab ca. 18 Uhr klingt der Tag am schönsten in einem Biergarten wie dem Riegele Biergarten aus – oder bei einem Spaziergang zurück über den beleuchteten Rathausplatz.
Die schönsten Biergärten Augsburgs
Ein Städtetrip nach Bayern ohne Besuch eines Biergartens ist für uns undenkbar. Augsburg hat eine lebendige und unaufgeregte Biergartenkultur. Sie reicht von zentrumsnahen Wirtsgärten bis zu versteckten Waldoasen.
Mitten in der Innenstadt, in der Frölichstraße, liegt der Riegele Biergarten, der bis zu 400 Gäste unter alten Bäumen beherbergen kann. Hier trifft die traditionelle Hausbrauerei Riegele auf eine erstaunlich moderne, teilweise vegane bayerische Küche – ein schöner Beweis dafür, dass sich Biergartenkultur und Zeitgeist nicht ausschließen müssen.
Wer es lieber grün und ruhig mag, fährt in den Siebentischwald zur Waldgaststätte Parkhäusl. Sie ist bio-zertifiziert, familienfreundlich und bietet regionale Bio-Produkte, deftige Hausmannskost und Steckerlfisch direkt vom Grill.
Direkt an der historischen Stadtmauer und nur einen Katzensprung vom Roten Tor entfernt liegt der Biergarten „Lug ins Land” mit einer traumhaften Aussicht über die Wallanlagen. Dort gibt es klassische Brotzeiten, Leberkässemmeln und kühles Fassbier.
In der malerischen Jakobervorstadt laden die Drei Königinnen unter großen Kastanien zu saisonalen bayerischen Gerichten ein. Für uns ist dies einer der gemütlichsten Orte für eine ausgedehnte Mittagspause.
Wer es etwas außergewöhnlicher mag, kehrt im Restaurant Zur Kahnfahrt ein. Seit 1867 verbindet es Gastronomie mit Bootsverleih und überrascht mit seinem hauseigenen, hefefreien „Erna-Brot” aus dem Steinofen.
Für einen Ausflug mit royalem Flair fährt man hinaus zur Schlossgaststätte Wellenburg in den Westlichen Wäldern. Dort werden bayerisch-schwäbische und österreichische Schmankerl in königlichem Ambiente serviert.
Wo übernachten in Augsburg? Unterkünfte für jedes Budget:
BUDGETFREUNDLICH
Augsburg bietet für jedes Reisebudget eine gute Auswahl an Unterkünften. Dank der kompakten Altstadt lohnt es sich, möglichst zentral zu buchen. Sparsame Reisende finden im ibis budget Augsburg City* eine moderne, funktionale und sehr zentral gelegene Basis. Das familiengeführte Dom Hotel Augsburg* punktet im historischen Domviertel mit Charme und macht alle Sehenswürdigkeiten fußläufig erreichbar. Zugegeben: Nicht mehr im wirklich günstigen Bereich angesiedelt ist der Übernachtungspreis aber was für den Preis geboten wird ist richtig klasse! Daher unser Preis-Leistungstipp!
Eine weitere solide, ruhig gelegene Option mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis ist das B&B Hotel Augsburg-Nord* im Norden von Augsburg gelegen.
GEHOBENE MITTELKLASSE
Im mittleren Preissegment überzeugt das zentral am Königsplatz liegende City Hotel Ost am Kö*. Es ist ein guter Ausgangspunkt für Shopping- und Kulturtouren.
Unser ganz persönlicher Tipp: Bei unserem letzten Augsburg-Besuch waren wir im Vienna House Easy by Wyndham*. Der Name ist zwar sperrig, dafür sind die Zimmer aber sehr schön und das Hotel befindet sich direkt an einer Tram-Station. Wir hatten eine höhere Zimmerkategorie gebucht und waren im hinteren Teil des Komplexes untergebracht. Das bedeutete zum einen zwar längere Wege bis zum Fahrstuhl, allerdings auch nahezu absolute Ruhe.
BESONDERE ERLEBNISSE
Für einen besonderen Städtetrip nach Augsburg ist das Hotel Maximilian’s (Steigenberger Drei Mohren)* an der Maximilianstraße die richtige Wahl. Das traditionsreiche Flaggschiff der Augsburger Hotellerie bietet ein historisches Ambiente, ein Sternerestaurant und einen erstklassigen Wellnessbereich. Nachhaltig orientierte Gäste finden im Bio Hotel Bayerischer Wirt* im Süden der Stadt eine ruhige, geschmackvoll gestaltete Alternative mit ausgezeichneter Bio-Küche.
Was tun bei Regen in Augsburg?
Museen, ein Blick hinter die Kulissen der Brauerei, die Puppenkiste und mehr – so wird auch ein verregneter Tag in der Fuggerstadt kurzweilig.
Fugger und Welser Erlebnismuseum
Multimediales Erlebnismuseum über die Handelsdynastien Fugger und Welser: interaktive Stationen und szenisches Storytelling lassen die Wirtschaftsgeschichte des 16. Jahrhunderts lebendig werden – auch für Kinder gut geeignet.
Maximilianmuseum
Augsburgs ältestes städtisches Museum zeigt Goldschmiedekunst, historische Uhren und Automaten sowie die originalen Bronzefiguren der drei Prachtbrunnen unter einem gläsernen Innenhofdach – dazu Modelle zur historischen Wasserversorgung der Stadt.
Schaezlerpalais & Barockgalerie
Bei Regen wirkt der goldene Rokoko-Festsaal gleich noch prächtiger. Im Obergeschoss warten außerdem rund 100 Meisterwerke der Barock- und Rokokomalerei auf einen gemütlichen Rundgang.
Naturmuseum Augsburg
Fossilien, Mineralien, Insekten und die Ökologie der Region – ein entspanntes, familienfreundliches Museum, dessen Dauerausstellung ohne Eintritt zu besichtigen ist.
Brechthaus
Geburtshaus von Bertolt Brecht, direkt an den Lechkanälen gelegen. Originale, Videoinstallationen und eine gemütliche Leselounge machen einen Regentag literarisch.
Diözesanmuseum St. Afra
Hier hängt die originale romanische Bronzetür des Doms mit 35 Reliefs aus dem Alten Testament, dazu Kirchenkunst aus über 1.000 Jahren Bistumsgeschichte – der perfekte Anschluss an den Domrundgang.
Riegele Brauereiführung & Bierprobe
Rundgang durch das Jugendstilsudhaus, den Gär- und Lagerkeller einer der ältesten Brauereien der Welt (seit 1386) – inklusive Bierprobe und Brotzeit. Nur 5 Minuten vom Hauptbahnhof entfernt.
Augsburger Puppenkiste
Tagsüber klassische Kinderstücke, abends das politisch-satirische Marionettenkabarett für Erwachsene – und direkt darüber das Museum „Die Kiste" mit den Original-Marionetten.
Öffnungszeiten und Vorstellungstermine ändern sich saisonal – ein kurzer Check auf der jeweiligen Website vor dem Losziehen lohnt sich immer.
Praktische Tipps für deinen Augsburg-Städtetrip
Beste Reisezeit für Augsburg:
Augsburg lässt sich natürlich ganzjährig gut bereisen, doch je nach Vorliebe gibt es besonders reizvolle Zeitfenster. In den Sommermonaten präsentieren sich die Biergärten und das Lechviertel von ihrer schönsten Seite, allerdings ist dann auch meist mehr los als sonst. Die Augsburger lieben ihre Biergartentraditionen sehr, weshalb du entweder reservieren oder rechtzeitig losgehen musst, um dir einen schönen Platz zu sichern.
Generell drängt sich Augsburg den Besuchern nicht sonderlich auf, wodurch es recht entspannt bleibt. Du musst nicht 100 Sehenswürdigkeiten abhaken, sondern kannst die Stadt ganz entspannt genießen.
Im Advent verwandelt sich der Rathausplatz in den Augsburger Christkindlesmarkt, dessen Ursprünge bis ins 15. Jahrhundert zurückreichen.Wer Menschenmassen meiden möchte, für den sind Frühling und Herbst ideal: Es gibt mildes Wetter, deutlich weniger Tagestouristen und trotzdem sind alle Sehenswürdigkeiten geöffnet.
Öffentlicher Nahverkehr in Augsburg:
Innerhalb Augsburgs kommst du mit dem Augsburger Verkehrs- und Tarifverbund (AVV) über ein dichtes Tram- und Busnetz komfortabel von A nach B. Für die Altstadt selbst brauchst du in der Regel aber gar keine öffentlichen Verkehrsmittel, da sich fast alle Sehenswürdigkeiten fußläufig erreichen lassen.
